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Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren

Umfangreichere Informationen finden Sie im Buch.
Sie erhalten das Buch in der mehrfach erweiterten 6.Auflage 2010 mit 230 Seiten
bei Amazon, im Buchhandel oder versandkostenfrei (BRD) im Direktversand
ISBN 978-3000-356-193

 

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Inhaltsübersicht
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Heliogravur

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Photogravüre, Sonnenlichtdruck, Heliograph, Heliogravüre

Photo-engraving (engl.)

Héliogravure,Héliographie (frz.)

Incisione in eliografia(ital.)

Heliogravure, Heliografie(holl.)


Die Heliogravüre (von helios:(gr.): die Sonne) ist ein – heute nur noch im künstlerischen Bereich verwendetes - Verfahren zur Herstellung von Tiefdruckplatten. Sie gilt als das edelste photochemische Verfahren auch in künstlerischer Hinsicht. Die Heliogravüre ist ein fotomechanisch erzeugter Kupferdruck und ermöglicht wie die Silberbromid-Fotografie exakte Halbtonwiedergabe. Das Verfahren wurde zum maschinellen Rakeltiefdruck weiterentwickelt. Die Heliogravüre ist in der Wiedergabequalität der Fotografie ebenbürtig, wurde für die hochwertige Wiedergabe von Halbtonbildern verwendet und war eine Zwischenstufe auf dem Weg zum modernen technischen Tiefdruck, mit dem heute viele Modezeitschriften und Illustrierte hergestellt werden.

Mit der Heliogravüre lassen sich der Schabkunst (Mezzotinto) vergleichbare Wirkungen erzielen. Charakteristisch sind die Wärme des Farbtons und der eingedrückte Plattenrand. Der unvergleichliche Tonreichtum dieses Verfahrens begründet sich in dem völlig den Helligkeiten des Negatives angepassten Gelatinerelief, das die Metallplatte bedeckt. So dringt Säure in feinster zeitlicher Abstufung in das Metall und nuanciert die Tiefe der Ätzung. Mehrere Künstler haben die Heliogravüre für ihre Druckterchniken verwendet. Exemplarisch sei Dali erwähnt, der in seiner Serie zu den Desastres de la guerra die Radierungen Goyas photomechanisch als Heliogravüre kopierte und überarbeitete. Auch Georges Rouault ließ mit Hilfe der Heliogravüre seine Tuschezeichnungen auf die Platte übetragen und überarbeitete sie anschließend mit verschiedenen Werkzeugen.

Es werden zwei Herstellungsverfahren unterschieden:

Direktbelichtung auf eine gelatinebeschichtete Platte.
Unter einem fotografischen Diapositiv belichten Sie eine mit lichtempfindlicher Schicht überzogene Kupferplatte, bestreuen mit Harzpulver, ätzen und drucken sie wie einen Kupferstich.

Indirekte Belichtung: Als Druckplatte dient eine mit angeschmolzenem Asphaltkorn versehene blanke Kupferplatte. Zuerst stellen Sie auf chromiertem Gelatinepapier einen photographischen Diapositivabzug her. Dieses Chromgelatinepapier (das sogenannte Pigmentpapier) quetschen Sie nach der Belichtung naß auf die Platte auf und übertragen so das Gelatinerelief.
Die Ätzung erfolgt durch diese aufgepreßte photographische Kopie hindurch auf die mit Asphaltpulver gerasterte Kupferplatte, also nach dem Grundprinzip der Aquatinta. Die Halbtöne werden im Gegensatz zu anderen Druckverfahren nicht durch unterschiedlich große Rasterpunkte erzeugt, sondern durch ein geätztes Relief, das je nach Tiefe unterschiedlich viel Farbe aufnimmt.

Im Rastertiefdruck wird dieses Relief zusätzlich mit einem konstant regelmässig breiten Kreuzraster überdeckt, der verhindert, dass die Farbe beim Einfärben aus den Vertiefungen herausgewischt wird.

Heliogravüre: Pigmentpapierverfahren

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Auf die Herstellung einer Heliogravüre mit Pigmentpapier werde ich nun detaillierter eingehen.

Negativaufnahme

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In der Regel wird zuerst ein Halbton- Negativ aufgenommen oder hochvergrößert, in dem die Lichter und Staubflecken durch Zudecken mit Rötel retuschiert werden können.

Diapositiv

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Von diesem Negativ stellen Sie im Direktkopierverfahren ein Halbtondiapositiv her, das nun in den Tiefen retuschiert werden kann.

Im Schnellverfahren beginnen Sie mit diesem Diapositiv. Dieses Diapositiv belichten Sie im Kontaktverfahren auf Pigmentpapier.

Ein Versuch: Weil die Heliogravüre ein Diapositiv zur Belichtung benötigt, könnte man auch mit einem lichtstarken Diaprojektor belichten. Inwieweit es dabei jedoch zu Überstrahlungen kommt, müssen Versuche zeigen.

Pigmentpapier-Herstellung

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Zutaten:

20g Gelatine

spiritusechte Farbpigmente

25 ml 37%-ige Formalinlösung

29g Kaliumbichromat

Ochsengalle zum Entfetten der Spiegelglasplattenoberfläche

Pergamentpapier als Trägerpapier

Bereiten Sie das Pigmentpapier einige Tage vorher vor, sensibilisieren es aber erst kurz vor der Verwendung, da es in diesem Zustand nur wenige Tage haltbar ist. Pigmentpapier ist ein sehr festes Papier, das mit lichtempfindlich gemachter, rötlichbraun eingefärbter Gelatine beschichtet ist. Es wird im Tiefdruck, aber auch im Siebdruck verwendet.

Die Herstellung geht folgendermaßen:

Vorwässern

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Die Gelatine und das Papier sind hygroskopisch, was eine Passungenauigkeit durch Größenveränderung beim Mehrfarbdruck bewirken kann. Legen Sie das Papier daher zuerst 15 min in 100°C heißes Wasser und hängen es mit hölzernen Wäscheklammern zum Trocknen auf. Mit dem Papier müssen Sie sehr sorgfältig umgehen, denn Fettspuren der Fingerabdrücke beeinträchtigen die Beschichtung.

Gelatineschicht aufbringen

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Lassen Sie 20g Gelatine in 1 Liter Wasser aufquellen. Damit Sie das Ergebnis auf der Druckplatte besser beurteilen können, färben Sie die Lösung mit spiritusechten, rötlich-braunen Farbpigmenten.

Erhitzen Sie auf 100°C (kurz Aufkochen)

Wenden Sie das Papier ca. 1min in der Lösung. Sollten Luftblasen entstanden sein, können Sie diese abrakeln.

Hängen Sie es zum Trocknen auf.

Härten

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Härten Sie nach dem Trocknen die Schicht: Lösen Sie dazu 25ml 37%ige Formalinlösung in 1000 ml Wasser. bei Zimmertemperatur. Formaldehyddämpfe können das zentrale Nervensystem schädigen! Arbeiten Sie dabei unter einem Abzug oder bei Frischluft!

Das Papier baden Sie ca. 1 min in dieser Lösung und trocknen

Sensibilisieren

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Die Gelatineschicht wird anschließend durch eine wässrige Bichromatlösung lichtempfindlich gemacht. Verwenden Sie entweder Kaliumbichromat oder Ammoniumbichromat; letzteres lässt kürzere Belichtungszeiten zu.

Vorsicht: Chromverbindungen sind hochgiftig!

Ansatz 1

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Zutaten:

29 g Bichromat

75 ml heißes Wasser

auffüllen mit kaltem Wasser auf 100 ml

Für den Gummidruck empfiehlt DuMont’s Handbuch für Grafiker einen Ansatz mit 29 g Bichromat, die in 75 ml heißem Wasser gelöst und mit kaltem Wasser auf 100 ml aufgefüllt werden.

Ansatz 2:

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Im Buch enthalten

Ansatz 3

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Im Buch enthalten

Trocknen

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Nach dem Sensibilisieren quetschen Sie die Bogen auf mit Schlämmkreide und Ochsengalle oder Talkum bestrichene Spiegelglasplatten und trocknen 1-2 Stunden in Trockenschränken oder zwischen in Chlorkalzium getränkten Trockenfilzen. Die Ochsengalle bewirkt ein leichteres und gleichmäßigeres Lösen des Bogens von der Scheibe. Bis zur weiteren Verwendung muss das Papier im Dunkeln und im Kühlschrank bei einer Temperatur von +6°C aufbewahrt werden. Es ist in diesem Zustand nur wenige Tage haltbar.

Pigmentpapier-Alternativen

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Im Buch enthalten

Belichten des Pigmentpapiers

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Bei der Belichtung härtet das Licht die Gelatineschicht aus, je mehr Licht hindurchdringt, desto härter wird an dieser Stelle die Chromgelatineschicht. Das Belichtungsspektrum der Chromgelatineschicht ist blauempfindlich.

Das Papier wird zweimal belichtet:

Einmal ohne Bildvorlage unter dem Raster (Raster, z.B. Rotpunktraster v. Klimsch?)
Die Rasterbelichtung ist meist etwas länger, damit die Rasterstege gut härten und später nicht durchätzen.

Die zweites Belichtung erfolgt unter der fertig montierten Bild- und Textform aus Diapositiven. Die Belichtungszeiten schwanken je nach Lampenstärke, Lampenabstand und Chromierung zwischen 15 und 24 Minuten. Die Umrechnungsformel für Belichtungszeiten finden Sie auf Seite 93

Weil die Heliogravüre ein Diapositiv zur Belichtung benötigt, könnten Sie sie auch mit dem Diaprojektor belichten.

Vorbereitung der Kupferplatte

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„Körnen“ Sie die Platte. Dazu versehen Sie die Kupferplatte mit einem feinen Asphaltstaubkorn und schmelzen dieses wie bei der Aquatinta an. Damit wird ein sehr feines Raster erzeugt.

Übertragen der Pigmentschicht

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  1. Legen Sie die Lage fest und reißen die Platte an.

  2. Entfetten Sie die Platte mit Schlämmkreide

  3. Entfernen Sie die Oxidschicht mit verdünnter Salzsäure

  4. Trocknen Sie die Platte

  5. Feuchten Sie die Plattenoberfläche an, quetschen das Pigmentpapier mit einer Gummiwalze so auf die Kupferplatte, dass es kleben bleibt (Gelatine klebt).Sprühen Sie evtl. etwas Wasser zu.

  6. Das Entwickeln geschieht in warmem Wasser, das Sie im Waschbecken darüber fließen lassen. Steigern Sie dabei die Temperatur langsam von 20°C bis auf 45°, sonst entstehen Blasen. Das Papier und die unbelichtete Gelatineschicht sollten sich nach einiger Zeit leicht von der Platte lösen und wegschwimmen, zurück bleibt auf der Platte ein Halbtonrelief. Die Entwicklung ist beendet, wenn die leichtesten Töne eine Abstufung zu Licht zeigen und das heiße Wasser keine Gelatine mehr aus der Schicht löst.

  7. Mit kaltem Wasser abkühlen

  8. Mit einem Fön oder durch Baden in Spiritus trocknen. Der Spiritus verdrängt Wasser und verdunstet anschließend schneller.

  9. Nicht mit Gelatine bedeckte Teile können Sie nun noch abdecken.

Ätzen

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Geätzt wird nach dem Mehrbadverfahren von Seite 59


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Online sehen Sie nur gekürzte Auszüge aus dem Ur-Manuskript von 1997
Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren
Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepte aus fünf Jahrhunderten
erfahren, erlesen, erfunden und gesammelt von Wolfgang Autenrieth

* 6. erweiterte Auflage 2010
* 230 Seiten
* 120 Abbildungen & 13 Tafeln
* 700 gr
* 29,5 x 21 cm
* 29 €uro
* ISBN 978-3-00-035619-3

* Bezugsquellen

Leseproben(PDF):
* Grundlagen
* Reservage
* Edeldruckverfahren
* Chemikalienverzeichnis
* Inhaltsverzeichnis

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